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Offene Briefe
Offener
Brief an Alfred Gusenbauer: "SPÖ Grundsicherung" ein getarntes Hartz
IV?
OFFENER BRIEF
Sehr geehrter Herr Dr. Gusenbauer,
zu einer Rückfrage betreffend das Grundsicherungsmodell der SPÖ erhielt
ich von Landesrat Buchinger folgende - eher irritierende - Antwort:
Sehr geehrter Herr Köhler,
durch die geplanten Leistungen der Grundsicherung würde das Versicherungsprinzip
nicht abgeschafft, sondern im Bedarfsfalle bis zur Höhe der Grundsicherung
durch eine "Fürsorgeleistung" ergänzt werden. Das bedeutet
konkret, dass jemand, der derzeit Anspruch auf Arbeitslosengeld (als
Versicherungsleistung) in Höhe von sage •Euro 500.- im Monat
hat, diesen Anspruch behält und frei entscheiden kann, ob er/sie hinsichtliches
des Differenzbetrages zur Grundsicherung die entsprechenden Prüfungen
(Einkommen/Vermögen) einleiten will. Wenn nein, bleibt der Betrag
des Arbeitslosengeldes nach den bisherigen Regeln erhalten.
Ob die Grundsicherung im Falle des Bezuges von Arbeitslosengeld eventuell
erst nach einer bestimmten Frist beantragt werden kann ( etwa aufgrund
der Erwägung, dass in den ersten Monaten der Arbeitslosigkeit in
den meisten Fällen noch kein Armutsrisiko schlagend werden wird),
könnte überdies zur Diskussion gestellt werden.
Freundliche Grüße aus Salzburg, Erwin Buchinger
Soll das Hartz IV auf österreichisch werden?
Vermögensverwertung armutsgefährdeter Menschen in einem Land,
das die Vermögen der Reichen kaum besteuert?
Werden Wirtschaftstreibende, die Steuergelder als "Wirtschaftsförderung" in
Anspruch nehmen wollen auch zur Vermögensverwertung angehalten?
Ein Aufruf an Erwerbstätige um Gemeindewohnungen anzusuchen,
statt sich - wenn auch mühselig - eine Eigentumswohnung anzuschaffen?
Lieber das - ohnehin wenige - Geld verjubeln, statt bescheidene Ersparnisse
anzulegen?
Abschaffung der Notstandshilfe (Versicherungsprinzip) zugunsten einer "Sozialhilfe
neu" (Fürsorgeprinzip)?
Im Buch "netzwerk innovation" (Hg. Alfred Gusenbauer) lese ich zum
Thema Grundsicherung:
"Ausbau von sozialer Sicherheit im Sinne eines allgemeinen Bürgerrechtes
auf eine Grundsicherung, die die soziale und kulturelle Anerkennung des
Einzelnen unter allen Umständen gewährleistet."
und:
"Zu den Gleichheiten, die Gerechtigkeit als Freiheit unbedingt verlangt,
gehört der gleiche Zugang zu allen gesellschaftlichen Grundgütern, über
die der Einzelne verfügen muss, wenn er soziale Anerkennung und
Selbstachtung unabhängig von Verdienst und Glück real erfahren
will:
- gleiche politische Teilhabechancen und gleiche Sicherung der zivilen
und politischen Rechte;
- unbedingte Vermeidung von Armut zur Sicherung der gleichen Menschenwürde
jedes Einzelnen;
- gleicher Zugang zu einer angemessenen medizinischen Vorsorge und
Heilbehandlung;
- gleicher Zugang zu allen, den eigenen Begabungen angemessenen Angeboten
des Bildungs- und Weiterbildungssystems
- gleiche Chancen der Teilnahme am gesellschaftlichen System der Erwerbsarbeit;
- gleicher Anspruch auf soziale Grundsicherung;
- gleicher Lohn für gleiche Leistung
- Gleichheit der Rechte und Pflichten der Geschlechter
- gleiches Recht und gleiche Lebenschancen künftiger Generationen
Sozial gesichert lebt, wer diese gerechten Gleichheiten im Zugang zu
den sozialen Grundrechten als Bürgerrecht beanspruchen kann."
(Die Texte erübrigen weitgehend Hinweise auf Menschenrechtskonventionen)
Aber vielleicht gibt es noch gar kein fertiges, kohärentes
Modell "bedarfsorientierte Grundsicherung" der SPÖ!?
In diesem Fall würden sich eine Reihe von Personen freuen, kurzfristig
zu sinnvollen Gesprächen mit der SPÖ über Armutsbekämpfung
und -vermeidung eingeladen zu werden.
Über eine rasche Stellungnahme freut sich bereits
Dietmar KÖHLER
Initiativgruppe ARBEITSLOSIGKEIT
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